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Urteile

Was wir in uns selbst verurteilen, sehen wir in anderen Menschen – oft, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. Wir stören uns an ihrem Aussehen, an ihrer Art zu sprechen, sich zu bewegen oder Entscheidungen zu treffen. Indem wir sie beurteilen, erheben wir uns scheinbar über sie und fühlen uns stärker, intelligenter, schöner oder besser.

Dass wir so urteilen, hat einen Grund: In unserem Innern tragen wir alte Verletzungen. Schon früh in unserem Leben haben wir nicht all die Liebe, Anerkennung, Sicherheit und Zuwendung bekommen, die wir gebraucht hätten. Unsere Erziehung, Sozialisierung und die Erwartungen von aussen haben unsere Gedanken und Gefühle geprägt – und dabei oft tiefe Spuren hinterlassen. Aus Angst vor diesem Schmerz schieben wir ihn von uns weg und projizieren ihn auf andere. Das ist menschlich. Es geschieht uns allen.

Je mehr wir über andere urteilen, desto deutlicher zeigen wir, wie verletzt wir in unserem Innern sind. Oft tragen wir die Überzeugung, wertlos und nicht liebenswert zu sein. Das zuzugeben würde uns verletzlich machen, darum verbergen wir es lieber. Stattdessen tröstet es uns für einen Moment, andere zu kritisieren – auch wenn es uns letztlich nicht heilt.

Sobald wir jedoch erkennen und in unserem Innersten fühlen, dass wir liebenswert und von grossem Wert sind, schwindet der innere Druck. Wir verlieren das Bedürfnis, andere zu verurteilen, über sie zu lästern, Unwahrheiten zu verbreiten oder sie ins Unrecht zu setzen.

Gandhi würde dazu bestimmt sagen:

Sei du selbst der Frieden, den du dir in der Welt wünschst.

Menschlichkeit beginnt in deinem Herzen – dort, wo die Liebe zuhause ist.